England-Reise Frühjahr 2011 [29]   2 comments

Der Skipper ergreift von „seinem“ Boot Besitz:

skipper

Der Skipper ist an Bord

Und wenn man – möglicherweise in der Vergrößerung – genau hinschaut, so hält er nicht, wie zu vermuten, den „Good Pub Guide“ in der Hand, sondern die Buchungsunterlagen!

Zu den Backskisten:

Auf der linken Seite, vorne, war der Stauraum für Winschkurbeln [für die Schleusen] sowie Festmachmaterial [3 Häringe für’s Festmachen im Boden, 2 Haken für’s Festmachen an Spundwänden und ein Hammer]. In der linken hinteren Backskiste waren die Batterien. Wir hatten zwei, und wie es sein soll, waren Starterbatterie und Bordnetz vollkommen getrennt, so dass man die Starterbatterie nicht durch das Bordnetz „leerlutschen“ konnte. In den Backskisten auf der rechten Seite waren dann die Propangasflaschen, 4 an der Zahl.

Und dann ging es ans Einräumen: zuerst einmal alle Koffer an Bord bringen. Schon das erwies sich als nicht ganz einfach. Zum Ersten war es nicht leicht, sie vom Kai auf’s Boot zu heben – man musste sich ja schließlich etwas über’s Wasser beugen, und das eben mit einem Koffer von doch knapp 23 Kilo[sovile durften wir ja maximal für’s Flugzeug drinhaben] in der Hand, und zum Zweiten war es an Bord ja reichlich eng. Die Boote heißen eben nicht umsonst „narrow boats„. Sie sind ganze 6 Fuß und 10 Zoll [das sind 2,08 Meter] breit. Und, da ja ein, wenn auch sehr schmales, Deck runherumläuft und die Kajütenwände ein ganz klein wenig oben hin nach innen verlaufen, ist der Innenraum noch wesentlich schmaler. Und was ich auch nicht bedacht hatte: der Stauraum an Bord ist doch sehr eingeschränkt – eben weil es so schmal ist. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, dass wir bei unserem früheren Törn ein Boot für 6 Personen gechartert hatten, obwohl wir nur 4 waren. Dadurch hatten wir dann zwei leere Kojen als zusätzlichen Stauraum. Dieses Mal hatte wir eben keine leeren Kojen. Und so gab es für die Kleider nur zwei – zwar relative große, aber eben doch nur zwei – Schubladen unter dem Bett, auf der Steuerbordseite und auf der Backbordseite je einen kleinen [ich schätze einmal 50×50 cm] Schrank mit ganzer und dazu auf der Backbordseite noch einen ebenso kleinen Schrank mit halber Höhe. Und in Letzterem war auch noch die Ersatzbettwäsche für die zweite Woche untergebracht. Aber wenn sie auch schmal sind, diese Boote, so sind sie dann eben lang, sehr lang zum Teil. Unseres war 48 Fuß lang, das sind immerhin fast 15 Meter. Und die längsten dieser Boote sind ganze 69 Fuß, also 21 Meter lang.

Wir haben dann eben nur einen Teil unseres gesamten Reisegepäcks unterbringen können und konnten nicht, wie eigentlich geplant, den Rest in unsreren Koffern an Bord lassen [wir hatten ja eben keine leeren Kojen dafür], sondern mussten das, was wir nicht unbedingt brauchen würden, in unseren Koffern im Auto lassen. Apropos „Auto“: dafür gab es einen Stellplatz auf einem abgeschlossenen Gelände, ohne Stellgebühr übrigens.

Was sich übrigens auch als Fehlplanung meinerseits erwies: ich hatte nicht mehr daran gedacht, wie leicht man sich bei einem solchen Törn schmutzig macht. Gerade die Schleusenmechanismen haben doch sehr viel schmutziges Fett, und man kommt sehr leicht da dran. Und die Schleusenwände sind natürgemäß auch nicht die saubersten. Dazu kommen dann noch Öl und Ruß der Maschine. Kurzum: mehr Arbeitsklamotten hätten uns gut getan. So hat dann eine meiner Jeans dran glauben müssen: wir haben sie bis jetzt immer noch nicht ganz sauber bekommen. Und auch Mary hätte gerne mal etwas anderes an Bord getragen als ihr norddeutsches Fischerhemd. Aber wir wollten eben nicht unsere „guten“ Sachen ruinieren.

Und hier noch, auch wenn es nur eine kleine Skizze ist, das Layout unserer „Silver Cygnet„:

Silver Cygnet

Silver Cygnet: Layout

Die geringe Breite der Boote rührt aus der Geschichte des Kanalbaus her. Als die große Kanalbauwelle [„canal mania„] gegen Ende des 18. Jahrhunderts in England ausbrach, entschied man sich für einen der ersten Kanäle – der dann den Maßstab für viele andere setzen sollte, für ein Schleusenformat von 70×7 Fuß – und da mussten die Boote hineinpassen. Also wurden sie ein ganz klein wenig kleiner gebaut, eben 6 Fuß 10 Zoll mal 69 Fuß. Die Breite war übrigens etwas willkürlich gewählt, wegen eines langen Tunnels auf einem der ersten Kanäle. Ursprünglich sollte der 14 Fuß weit sein, aber das hätte zuviel Aushub bedeutet. Und bei einem fast runden Tunnelquerschnitt bedeutete eine Reduzierung der Weite auf die Hälfte eine Reduzierung des Aushubs auf ein Viertel. Und dafür, also 7 Fuß Weite, hat sich James Brindley, der planende Ingenieur, dann entschlossen. Und, weil man es einmal so angefangen hatte, wurde dies dann für sehr viele Kanäle –  im Kanalverbund sollten die Boote ja schließlich (fast) überall fahren können – zum Standard, jedenfalls für eine lange Zeit. Später ist man dann für eine ganze Reihe von Kanälen allerdings eben doch auf 14 Fuß Weite gegangen. Die schmaleren Boote konnten eben einfach nicht genug Fracht transportieren, um dem gestiegenen Frachtaufkommen gerecht zu werden.

Veröffentlicht Sonntag, Juli 24, 2011 von Pit in England, narrowboats, Travel, Wootton Wawen Basin

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2 Antworten zu “England-Reise Frühjahr 2011 [29]

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  1. Ahoy, skipper 🙂

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