England-Reise Frühjahr 2011 [37]   Leave a comment

„Es geht rund“:

contour canal

Typisch für einen "contour canal": die vielen Kurven

Und schon bald nach der Abfahrt kommen die ersten Kurven. Jede Menge davon sind typisch für einen sogenannten „contour canal„, der der Kontur der Landschaft folgt, damit er auf einem Niveau bleibt und Schleusen nach Möglichkeit vermieden werden.Und trotzdem hat der Stratford-on-Avon Kanal auf gerade mal 25 1/2 Meilen Länge immerhin noch 54 Schleusen. Aber wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gehen die alle abwärts, von Kings Norton Junction [wo der Kanal beginnt] bis zum Avon in Stratford.

Hier verläuft der Treidelpfad zur Abwechslung mal auf der linken Seite.

Die Bäume hängen, wie so oft, z.T. über den Kanal. Manchmal, wenn die Bäume größer waren und der Kanal schmaler, hatte man (fast) das Gefühl, durch einen grünen Tunnel zu fahren, weil die Bäume von beiden Seiten so gut wie vollständig den Kanal überdeckten. Was mir so gefällt, ist die Natur ringsum: Bäume [eben z.T. auch über dem Kanal] an den Seiten, die Hecken an der Seite des Treidelpfades, das Ufer des Kanals mit wilden Gräsern überall – einfach alles grün, und weitestgehend naturbelassen. Der Stratford-on-Avon Kanal ist eben ein „rural canal“ wie er im Buche steht, außer ganz am Ende, wenn er nach Stratford-upon-Avon hineingeht. Und manchmal, wenn es keine Hecken an der Seite hat und der Kanal etwas hochgelegen verläuft, schweift der Blick weit über Felder und Wiesen.

Da wir gerade von „contour canal“ sprchen, hier noch ein paar Bemerkungen zur Geschichte des Kanals:

Der Kanal wurde – in Etappen, weil man erstens zu Beginn gar nicht die gesamte Route bis Stratford-upon-Avon überhaupt in Betracht gezogen hatte und zweitens ziwschendurch immer wieder das Geld ausging [wie könnte es bei einem solchen Großprojekt – wir kennen da ja zur Genüge aus der heutigen Zeit – auch anders sein, als dass die ursprüngliche Planung bei Weitem überzogen wird] zwischen 1793 und 1816 gebaut. Vom Beginn an der Abzweigung Kings Norton Junction am Worcester & Birmingham Kanal bis zum Ende in Stratford-upon-Avon sind es 25,5 Meilen mit, wie oben gesagt, insgesamt 54 Schleusen. Nach einer relativ kurzen Blütezeit mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von bis zu 180.000 Tonnen Fracht, davon etwa 50.000 Tonnen Kohle, begann schon 1835, bedingt durch die Konkurrenz der Eisenbahn, der wirtschaftliche Niedergang, der sich nur noch verstärkte, als der Kanal im Jahr 1856 von einer Eisenbahngesellschaft übernommen wurde. Der Frachtverkehr wurde zunehmend weniger und beschränkte sich mehr und mehr auf kurze Strecken. In der südlichen Hälfte – zwischen Stratford und Kingswood Junction – gab es schon seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts keinen Frachtverkehr mehr [während die nördliche Hälfte noch bis in die 50er Jahre gelegentlich ein Frachtboot sah] und der Kanal verfiel zusehends, bis dieser – der südliche – Teil schließlich ab 1945 nicht mehr passierbar war.

Als nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren das Interesse an Freizeit-Bootsfahren entstand und wuchs, kam auch die Idee auf, den Kanal – diesmal für Freizeit-Skipper – wieder zu gänglich zu machen, und der Kanal wurde schließlich 1964 – nach jahrelanger Arbeit von Strafgefangenen, freiwilligen Kanalenthusiasten, Soldaten und anderen – durch die Königin-Mutter wieder eröffnet.

Veröffentlicht Mittwoch, Juli 27, 2011 von Pit in England, narrowboats, Stratford-on-Avon Canal

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