England-Reise Frühjahr 2011 [249]   Leave a comment

Die Nacht war zwar windig gewesen, und demzufolge war das Boot mal wieder des öfteren gegen das Ufer gebumst, aber wir haben trotzdem gut und verhältnismäßig lange – ich bis gegen 08:30 Uhr morgens – geschlafen. Nach einem leckeren Frühstück [wir beide hatten je eine Scheibe getoastetes Weißbrot mit gebratenen Speckstreifen, und dann hatte Mary eine Scheibe Weißbrot mit knuspriger Erdnussbutter und ich eine Scheiben Weizenbrot mit Lemon Curd] haben wir dann gegen 09:15 abgelegt und uns auf den Weg durch den Netherton Tunnel in Richtung Zentrum von Birmingham gemacht. Hier die Karte [leider mal wieder in einem ziemlich großen Maßstab, aber Detailkarten werden folgen], wie immer mit freundlicher Genehmigung von EurEauWeb:

map

Windmill End Junction bis Gas Street Basin

Diese Strecke würde gut 13 Meilen mit insgesamt 6 Schleusen umfassen, also eine kalkulierte [Meilen plus Schleusen dividiert durch 3] Fahrzeit von etwas über 6 Stunden in Anspruch nehmen. Der Netherton Tunnel lag übrigens gleich um die Ecke. Zum Tunnel sagt nser wasserreiseführer:

Opened in 1858, the Netherton Tunnel was the last major canal tunnel to be bilt in Britain and, as such, it is suitably grand. At 3027 yards long, it was built with a bore sufficient to allow a towpath on both sides, and when opened was eqipped with gas lighting, later converted to electricity. Although it passes deep underground, it is 453ft above sea level, and was built to relieve congestion in the Dudley Tunnel. It runs on a parallel course, joining the Birmingham Main Line at Dudley Port.“ [Waterways Guide, Vol. 2: Avon, Severn & Birmingham (Cheltenham, 2009), S. 137]

Das Steuern im Kanal brachte die von der früheren Tour her bekannten und daher erwarteten (leichten) Probleme mit sich: man musste zwar mit eingeschaltetem Frontscheinwerfer fahren, aber das half so gut wie gar nicht. Anstatt mich, wie erforderlich, rechts zu halten, bin ich immer wieder nach links abgedriftet. Und wenn ich dann dem linken Ufer zu nah kam, gab’s einen Schwenker nach rechts – bis zum nächsten Mal.nterwegs wrde ich übrigens ganz schön von einem Radfahrer irritiert. Er kam uns entgegen, und ich wusste absolut nicht, was das Licht sein könnte, das uns da entgegen kam. Für ein Boot wäre es nämlich auf der falschen Seite gefahren. Und später irritierte mich das Licht vom Tunnelausgang und die Reflektion auf dem Wasser. Manchmal sah es aus wie ein am Ufer festgemachtes, hellerleuchtetes Boot aus. Auch das wäre dann allerdings auf der falschen Seite des Kanals gewesen. Es dauerte eine ganze Weile, bis mir klar wurde, dass das der Kanalausgang war. Insgesamt dauerte die Fahrt durch den Tunnel – verständlicher weise bin ich deutlich langsamer als die erlaubten drei Meilen pro Stunde gefahren – 50 Minuten, und ich war froh, als wir draußen waren, denn das Steuern im Tunnel verlangte doch eine ganz ergebliche Konzentration. Gelegentlich tröpfelte es übrigens nass von oben: es war empfohlen worden, einen Anorak zu tragen – zu Recht.

Ursprünglich war unser Tagesziel ja Gas Street Basin gewesen, aber nach der Ausfahrt aus dem Tunnel haben wir uns entschlossen, nach links abzubiegen, um näher am Black Country Museum zu übernachten, das wir am nächsten Tag besichtigen wollten. Lt. Wasserreiseführer gab es nur ca. einen Kilometer – also leicht zu Fuß zu erreichen – eine Übernachtungsmöglichkeit in Craggy’s Boatyard. Dort sollte alles – Wasser, Toiletten, Duschen, Strom etc. – zur Verfügung stehen. Aber als wir diesen Bootshafen sahen, haben wir es uns anders überlegt: er sah einfach zu heruntergekommen aus, mehr einem Schrottplatz ähnlich. Und außerdem waren der Hafen sehr voll und die Einfahrt sehr eng: alles wenig einladend, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Und weiter in Richtung Black Country Museum wollte ich auch nicht, weil es einerseits drei Schleusen gewesen wären, und ich andererseits auch nicht am Kanalufer im Ortsteil Tipton anlegen wollte, selbst an einem ausgewiesenen Liegeplatz. Es wird für Birmingham, darauf hingewiesen, dass es leicht zu Vandalismus kommen kann, und dass man nur an sicheren Orten festmachen sollte: „Moor only at recognised sites in the city, such as Gas Street, Cambrian Wharf or boatyards (by arrangement).“ Da war mir dann eben doch Gas Street Basin lieber, weil es ein ganz offizieller Liegeplatz mit vielen Booten in einer sehr belebten Gegend ist.

Also hieß es „kehrt Marsch“ – was sich als gar nicht so einfach erwies, denn obwohl der Kanal eigentlich zum Wenden breit genug war, waren die Ufer doch zu flach, und das passte nicht. Ich hatte einfach Angst, den Propeller auf den Steinen der Böschung zu ruinieren. Und so blieb mir nichts Anderes übrig, als ein Stück rückwärts zu fahren – mit einem Narrowboat nie eine leichte Aufgabe – bis ich eine Stelle fand, an der der Kanal breiter war, möglicherweise ein alter, aber jetzt auch etwas verlandeter, Wendeplatz. Aber für die Silver Cygnet – die ja nicht die volle Länge von 70 Fuß hatte – war es ausreichend, und ich konnte wenden. Und dann ging’s wieder zurück, Richtung Gas Street Basin.

Im Nachhinein gesehen war das ein guter Entschluss, denn so hatten wir nicht nur einen verhältnismäßig sicheren Liegeplatz, sondern waren für den Abend auch (fast mitten) im Zentrum von Birmingham, wo wir einerseits nett spazieren gehen und andererseits auch gut zu Abend essen konnten.

Apropos Birmingham und seine Kanäle: angeblich soll es mehr haben als Venedig! Zur Hochzeit des britischen Kanalwesens, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, waren es insgesamt über 160 Meilen, und sogar heutzutage sind es immerhin noch über 100 Meilen an Kanalstrecke, die im Netz der  Birmingham Canal Navigations [BCN] befahrbar sind.

Dazu sagt unser Wasserreiseführer:

„[…] much has been done in recent years to tidy these up. This is now having a noticeable effect. Where once there were old and run-down relics of industry, there is now much new housing, and stylish industrial estates. Of course, some of the older vestiges of industry can still be found, and we hope that their most charming manifestations are kept for future generations to see and enjoy. But overall (and noting the exceptions and inevitable run-down areas) it is a fascinating environment. Just d0 not treat it like the remoter parts of Cheshire and Shropshire – it will always be subjected to the stresses of inner-city life, and you must exercise caution. But it remains an area of retreat for the harassed city dweller and a new area of exploration for the canal traveller.“ [Waterways Guide, Vo. 2: Avon, Severn & Birmingham (Cheltenham, 2009), S. 37]

Ich kann dem nur zustimmen: es ist ein Teil des Kanalsystems, dass ich auf keinen Fall verpassen möchte.

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